Historic Rallye Team

Berichte


 

Problem 1: Gerd und ich haben bei der „Rallye Grönegau“ mit dem weißen Mitsubishi ein Verkehrschild umgenagelt. Das Auto kam deshalb zu den Knöbels zur Behandlung und war nicht einsatzbereit. Also musste das alte rote Auto, das viel weniger Leistung hat, wieder ran

Problem 2: Wolfgang war der Probleme mit der Zündung mehr als überdrüssig und entschloss sich kurzfristig, am Wochenende noch bei Wolfgang Reile vorbei zu schauen. Das Problem sollte endgültig aus der Welt geschafft werden. Von Stuttgart wollte er dann direkt nach Ypern fahren. Ich habe mich deshalb wegen einer Mitfahrmöglichkeit an Gerd gewendet. Der stellte seinen Zeitplan um und versprach, mich am Montagmorgen um 09:30 in Hamm am Hauptbahnhof abzuholen. Da die Strecke Hamburg-Bremen aber ab 02:00 morgens bestreikt wurde, hatte ich das erste Problem. Irgendwie erreichte ich dann doch den Zug ab Bremen und schaffte es rechtzeitig bis Hamm.

Problem 3: Irgendwann in der Gegend von Eindhoven teilte mir Wolfgang telefonisch mit, dass sein Mietwagen-Vertrag gekündigt worden sei, da er auf einer „black list“ stehe und das ich mich mal um ein Mietauto kümmern solle. Nicht einfacher als das – dachte ich. AVIS angerufen und einen „Citroen C3 oder ähnlich“ gebucht. Eine Stunde später dann einen Anruf des Vermieters aus Kortrijk: „We don’t rent a car to you because you are a rallye-driver!!“ Aus Erfahrung klug geworden hatte die Station die gesamten Nennlisten aller drei Veranstaltungen zur „black list“ erklärt. Kein Teilnehmer bekam einen Mietwagen! Uns blieb nur übrig, die Prüfungen mit dem „Transporter“ abzufahren.

Problem 4: Am Freitagabend dann der Start zur WP 1 und ein ängstliches Horchen auf Zündung und Vergaser. Hörte sich gut an – bis zu Km 7,33! Da gab es plötzlich ein hässliches Rasseln und wir hatten keinen Vortrieb mehr. Nach etwa drei Stunden wurde die Prüfung geschlossen und der Schlusswagen schleppte uns zum Service, der hinter der Prüfung auf uns wartete. Peters Diagnose: Es ist die Halbwelle. Wolfgangs Entscheidung: Ausbauen, neue einbauen, morgen machen wir weiter. Ich uns beim Leiter für den Re-Start angemeldet und kurz nach zwei Uhr den Wagen ins Parc Ferme gebracht. Dann ab ins 45 Km entfernte Hotel und schlafen. (Dachten wir.)

Problem 5: Marlies und Wolfgang konnten ihre Zimmertür nicht öffnen. Irgendwie funktionierte die elektronische Karte nicht. Auch der eilig herbeigerufene Besitzer schafft es nicht, die Tür zu öffnen. Auch nicht mit einem normalen Schlüssel. Also gab er ihnen das Zimmer nebenan und Zahncreme und Seife, denn die eigenen Utensilien waren ja „unter Verschluss“. Da war es etwa kurz nach drei Uhr. Geweckt wurden die Beiden um 07:30 durch die örtliche Feuerwehr. Diese hatten einen Wagen mit Drehleiter vor dem Hotel positioniert und stiegen von außen in das nebenan liegende „alte“ Zimmer ein, um die Tür von innen zu öffnen. (Was dann auch klappte.)

Problem 6: Mit einer Strafzeit von 15 Minuten nehmen wir die Rallye am Samstag wieder auf. Da nur drei der Teilnehmer in der Kategorie 1 bei der FIA eingeschrieben sind, geht es um wertvolle Punkte. Die wollen wir uns holen. Die zweite Sonderprüfung wird kurz vor unserem Start abgebrochen. Unfall auf der Strecke. Arzt, Rettungswagen und WP-Leiter fahren raus. Nach 15 Minuten wird die Prüfung abgesagt. Die spätere Begründung: „SS Watou was terminated after starting number 202 had an accident with a police car in the SS“ Unglaublich, aber wahr! Auf einer Prüfung knallt der Escort in einen Streifenwagen der Polizei! (Ich habe mir die offizielle Mitteilung des Veranstalters eingerahmt.)

Problem 7: Ein Hilfsposten steht winkend an der Zufahrt zur WP und informiert die ankommenden Teilnehmer über die Absage. Ludwig und Klaus fahren deshalb auf dem kürzesten Weg zur nächsten Prüfung. Dort lässt man sie jedoch nicht starten, denn sie haben in dem Durcheinander vergessen, die ZK an der ausgefallenen Prüfung zu stempeln! Disqualifiziert wegen fehlender ZK!

Problem 8: Wolfgang und ich fahren die Prüfungen locker herunter. Die Esten haben mindestens 15 Minuten Vorsprung, die Finnen mindestens 5 - sie waren Freitag vor der dritten WP ausgefallen. Da ist nichts zu machen. Warum also rasen? Vor der vorletzten WP informiert uns Kurt Vanderspinnen über den Ausfall des finnischen Teams. Plötzlich sind wir schon Zweiter! (Wenn wir ins Ziel kommen.) Auf der Rampe freuen wir uns über unser Ankommen und die wichtigen Punkte in der EM. Hinter der Rampe steht Jan Knöbel und informiert uns darüber, dass die Esten „mit mächtigen Probleme kämpfen und fast 30 Minuten verloren haben.“ Laut Adam Riese hätten wir dann ja gewonnen. Morgens um 01:30 Uhr soll der Aushang sein. Wir müssen also warten. Ich gehe zum Büro des Veranstalters. Mal sehen, ob ich vorher was heraus bekomme. Gott sei Dank kenne ich den Steward des belgischen Verbandes seit vielen Jahren, der muss mir was sagen. Als der mich aber sieht sagt er nicht: „Ihr habt gewonnen“, sondern: „Warum seid ihr denn nicht über die Zielrampe gefahren?“ Ich denke, ich breche zusammen. Er besorgt sich die Bordkarte und siehe da, die Sache ist erledigt.

Problem 9: Der Aushang kommt. Wir sind zweiter in der Klasse und Dritter in der Kategorie. Aber irgendetwas stimmt nicht. Das gibt auch das Team aus Estland zu, das sich schon mit einem zweiten Platz abgefunden hat. Unsere Gesamtzeit ist viel zu hoch. Ich also wieder in das Büro, mir den Fahrtleiter und den Fahrer-Verbindungsmann geschnappt und die einzelnen Zeiten kontrolliert. Nach einiger Zeit wird der Fehler gefunden. Man hat uns für die fehlenden drei WPs nach den viel strengeren nationalen Regeln bestraft und nicht nach den FIA-Regeln. Aus dem Rückstand auf die Esten wird somit ein Vorsprung von etwas mehr als 20 Minuten!!!. Zweiter in der Kategorie und erster in der Klasse. Volle Punktzahl für uns! (Kurt Vanderspinnen hat uns zwar geschlagen, aber er ist in diesem Jahr kein FIA-Fahrer.) Tiefes Durchatmen, herzliches Umarmen und ab ins Hotel, das wir kurz nach drei Uhr erreichen. Da die Zimmertür problemlos aufging, gab es keine weiteren nennenswerten Ereignisse.

Bei all‘ meinen Schilderungen kommt die Leistung von Gerd Sonntag und Ann-Kristin Rassenhövel ein wenig zu kurz. Gerd und Ann-Kristin haben sich super geschlagen und beenden die Veranstaltung auf Platz zwei in der Klasse und Platz 25 im Gesamtklassement. Herzlichen Glückwunsch.

Ulli Windt



Das Resümee am Ende des ersten Tages

Kategorie 1: Wolfgangs Porsche, irgendwie mag der Elfer Sanremo nicht, zeigt die gleichen Symptome wie im letzten Jahr: Er nimmt das Gas nur in homöopathischen Dosierungen an und klingt „als müsse er sich gleich übergeben.“ (Zitat Rallye Magazin.) Platz 4 in der Kategorie ist nicht gerade das Traumresultat. Rainer Glasewald muss seine Ansagen auf absolut ungewohnte Weise machen: in Englisch! Er und Richard kommen aber gut damit klar und Richard pilotiert den Volvo auf den achtbaren Platz 14.

Kategorie 2: Schwedt/Woll sorgen für Furore. Was Rainer mit seiner kleinen (entschuldige, Rainer) „Nuckelpinne“ anstellt, ist unglaublich! Er führt die Klasse bis 1600 ccm mit fast drei Minuten Vorsprung an und platziert sich in der Kategorie auf 20! Wieder Pech für unser Stratos-Team. Burghard und Lothar müssen mit Getriebeschaden nach WP 4 aufgegeben.

Kategorie 3: Unsere beiden Altmeister Ludwig Kuhn und Klaus Hopfe fahren einen gleichmäßig guten Turn und liegen am Abend des ersten Tages auf Platz 14. Auch Claus Ellermann und Gerd Schreiber auf Platz 16 sind mit sich zufrieden. Ebenso Franz Fölling und Hartmut Röver auf Platz 24.

Von den 103 Startern erreichen 22 Teams spätabends das Etappenziel an der Strandpromenade in Sanremo nicht.

 

Am frühen Samstagmorgen dann der Start zur zweiten Etappe. Einige der Ausfälle des ersten Tages haben die ganze Nacht geschraubt und somit gehen 92 Teams an den Start.

In der Kategorie 1 beschließt der Porsche dann irgendwann doch noch, seine gesamten PS einzusetzen und so arbeiten sich Wolfgang und Ulli langsam nach vorne. In der letzten Etappe, mit 32,2 Km die Königsetappe, nehmen sie dem bislang in der Klasse Führenden Umberto Parisi 1:02 Minuten ab und setzen sich auf den ersten Platz. Wenige hundert Meter nach der Stopp-Kontrolle der WP dann das blanke Entsetzen: Die Kupplung ist kaputt! Wolfgang kann das Pedal noch so häufig und kräftig durchtreten - nichts geht mehr. Der dritte Gang steckt drin. Halten wir an, dann geht der Wagen aus. Also müssen wir ihn am Laufen halten. Was dann passiert, geht nur als Teilnehmer einer Rallye in Italien: Wolfgang schafft es irgendwie - und unter Missachtung einiger Verkehrsregeln - uns bis zum gelben Schild vor der Ziel-ZK zu bringen. Der Wagen geht aus und Wolfgang und ich haben jeder etwa zwei Liter Schweiß verloren. Merkt aber keiner, denn der Gestank der Kupplung übertrifft alles. Den Wagen über die Zielrampe fahren geht nicht, schieben lassen ist verboten, selber schieben aber nicht. Gesagt, getan. Der Lohn: Klassensieg und Platz 3 in der Kategorie. Richard hat in der letzten Prüfung Probleme mit der Bremse und rutscht in eine Böschung. Nach harter körperlicher Arbeit kann es weiter gehen und sie schaffen es, noch in der Karenzzeit anzukommen.

In der Kategorie 2 setzen Rainer und Hans-Werner ihren Höhenflug fort. Nach WP 8, der vorletzten Prüfung, führen sie ihre Klasse mit einem Vorsprung von 4:59 an. In der letzten WP erwischt es sie dann. Der Wagen geht aus. Keine Stromzufuhr mehr. Das Finden des Fehlers und die Reparatur des gerissenen Massekabels kosten wertvolle Zeit. Am Ende bleibt der 23. Platz in der Kategorie und der 4. in der Klasse.

In der Kategorie 3 muss Ludwig seinen Porsche bereits auf der ersten Prüfung des zweiten Tages abstellen. Der Motor sendet unübersehbare Rauchzeichen. Claus und Gerd fahren eine gute und ausgeglichene Veranstaltung, werden von Defekten verschont und platzieren sich auf dem 9. Platz in der Klasse D4. Auch bei Franz und Hartmut gibt es keine Probleme und sie beenden die Storico auf dem 3. Platz in ihrer Klasse.

Nur 73 Teams von 103 gestarteten erreichen das Ziel in Wertung!

 

Coppa dei Fiori

Bei der Coppa dei Fiori, der Gleichmäßigkeits-Rallye gehen insgesamt 48 Teams an den Start. Mit dabei drei Teams unter der Bewerbung des MSC Gütersloh: Rolf Droste/Fabian Mohr auf Opel Kadett GTE; Heinz Lüke/Martin Oberteicher auf Sunbeam Tiger und Erwin Reineke/Lothar Kasper auf Opel Kadett B.

Die Coppa dei Fiori ist die Domäne italienischer Teams. Ihre Wagen sind mit Instrumenten bestückt, die ein Airbus-Cockpit und die Dockingstation der ISS alt aussehen lassen. Da kann sich jeder vorstellen, was sich am Ende des ersten Tages am offiziellen Aushang (gegen 01:00 Uhr morgens) abspielte. Ungläubige italienische Gesichter: Auf Platz 1 eine Team aus Monaco, auf Platz 2 Droste/Mohr aus Deutschland und erst auf Platz 3 das erste italienische Team!

Am zweiten Tag riecht es nach Ende der vorletzten WP nach einer dicken Sensation als sich Rolf und Fabian an den Monegassen vorbei auf den ersten Platz schieben. In der letzten WP drehen diese den Spieß aber wieder um und setzen sich wieder auf Platz 1. Trotzdem eine überragende Leistung! Die erste Sanremo und dabei gleich einen Klassensieg und den zweiten Platz im Gesamt errungen. Gratulation! Auch die anderen beiden Teams platzieren sich in ihrer Klasse jeweils auf Platz 2. Heinz und Martin in der Klasse 3C und Erwin und Lothar in der Klasse 5D. Sie komplettieren das super Ergebnis unserer Teams bei der diesjährigen Sanremo Rally Storico und der Coppa dei Fiori.




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